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Am Mittwoch, den 29.11.2023, gewann Lukas das Jugendblitzturnier im November mit einem perfekten Ergebnis von 7 aus 7. Auf Platz 2 folgt Robin mit 5 aus 7, der aber aus der Jahreswertung herausfällt. Dahinter folgt Silas mit 4,5 aus 7. Dabei hätte es noch schlimmer kommen können, Maximilian verpasste in beiderseitiger Zeitnot den Sieg im Turmendspiel gegen Silas und das Spiel endete im Remis. Suad erwischte einen gebrauchten Tag und konnte mit nur 1,5 Punkten nicht den eigenen Ansprüchen genügen. Trotz allem eine wichtige Lektion für kommende Turniere, nicht mittendrin den Kopf in den Sand zu stecken, sondern immer mit voller Konzentration weiter zu machen.
Lukas zieht mit 21 Punkten in der Gesamtwertung davon, erster Verfolger ist Tim mit 14 Punkten, der am Mittwoch leider krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte. Silas hat seine 2 Streichergebnisse bereits ausgereizt und muss sich jetzt strecken, um dran zu bleiben. Das Jugendblitzturnier des Monats Dezember wird wegen der Weihnachtsferien am 03. Januar 2024 nachgeholt werden.
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- Geschrieben von: Martin Seidel
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Die Rede ist von Martin in der 4. Runde des Troisdorf Opens. Und, nein, dies ist keine Anspielung auf sein Alter aus Sicht unserer teilnehmenden Jugendspieler (ich sage nur "Doppelherz, die Kraft der zwei Herzen"). Der Titel des heutigen Beitrags bezieht sich ausschließlich auf diesen merkwürdigen Zwiespalt zwischen Hoffen und Bangen, wenn man als Jugendtrainer gegen die eigenen Eleven zu einer echten Turnierpartie antritt. Einerseits will man natürlich gewinnen (Martin sowieso) und dafür braucht es schlicht und ergreifend Fehler des Gegenübers. Andererseits hofft man zugleich auch jedes Mal, daß die Jugendlichen möglichst perfekte Partien aufs Brett bringen. "Jetzt weiß ich mal, wie es meinem eigenen Jugendtrainer seit Jahren ergeht", seufzte Martin nach seiner Viertrundenpartie gegen Lukas.
Die beiden hatten sich im Vorfeld gewissermaßen zum Theorieduell im Trompowsky-Angriff verabredet. Offensichtlich hatte Lukas sich sehr gut auf diese Leib- und Magen-Eröffnungen Martins vorbereitet, denn beide blitzten die Eröffnung nur so hin und landeten in einer der sehr spaßigen (Originalton Martin) – weil zweischneidigen – Varianten. Bis zum neunten Zug von Schwarz folgten beide der Eröffnungsdatenbank, dann wich Lukas mit a6 ab. Kein Zug, den man üblicherweise braucht, und folglich ein latenter Tempoverlust, wie Martin im Anschluß analysierte.
Anschließend spulten beide wieder die normalen Eröffnungspläne ab, allmählich jedoch streuten beide Seiten kleinere Abweichungen ein. Sie verfolgten offenbar divergierende Pläne. Martin griff in der Folge im Zentrum an und Lukas suchte das Spiel am Damenflügel. Knackpunkt der Partie war letztlich, daß Lukas sich gegen ein temporäres Bauernopfer entscheid und Martin dadurch das Eindringen mit allen drei Schwerfiguren entlang der vorletzten Reihe erlaubte, womit Matt bzw. Damenverlust unvermeidlich wurden. Im Bewußtsein, daß das Spiel nun bald so oder so entschieden sein würde, ließ Lukas sich lieber gleich mattsetzen.
Harald und sein Gegner brachten das Schottische Vierspringerspiel aufs Brett. Mit weitestgehend gradlinigem Spiel stand Harald stets ein wenig besser, auch wenn er den ersten gröberen Schnitzer seines Gegenübers noch ungenutzt durchgehen ließ. Nach weiteren kleinen Ungenauigkeiten von Schwarz wurde das weiße Läuferpaar immer stärker und beginnend mit seinem 15. Zug ging Harald damit auf Qualitätsfang. Entscheidend war letztlich, daß sein Gegner im 18. Zug freiwillig ein Turmpaar abgetauscht hat, was in der Stellung nicht sonderlich hilfreich war (außer für Harald natürlich).
Als er nach einer Läufergabel unseres "Finanzministers" auf e7 laut Engine als beste Option mit Turm und Springer gegen Dame (plus in der Folge zusätzlich noch zwei weißen Mehrbauern) weiterspielen hätte müssen, gab Haralds Kontrahent die Partie auf. Den Rest wollte er sich nicht mehr zeigen lassen, obwohl die finale Verwertung des materiellen Vorteils schon noch einiger Arbeit auf Haralds Seite bedurft hätte.
Silas Gegner kam deutlich verspätet ans Brett und zog in der Folge stets überaus zügig. Nach 1. ...f5 hatte Silas wunschgemäß die Holländische Verteidigung aufs Brett gebracht, landete jedoch im weiteren Verlauf nicht wirklich auf ihm bekanntem Terrain. Sein Kontrahent setzte ihn kontinuierlich weiter unter Druck, rochierte gegenläufig und ging seinem auch in früheren Partien beim Troisdorf Open bereits gezeigten Spielstil gemäß hyperaggressiv zum Königsangriff über. Silas ließ sich auf diesen offenen Schlagabtausch ein und übersah dabei im 19. Zug eine Taktik-Falle seines Gegners. Dieser opferte anschließend eine Qualität zwecks Eliminierung des "Feldwächters", um direkt im Anschluß via Familienschach Silas' Dame erobern zu können. Ab da wehrte Silas sich nur noch ohne realistische Aussicht auf Gegenspiel geschweige denn Erfolg bis zum Matt im 38. Zug. Fazit: Maximal unglücklich gelaufen.
Suad hatte sich durch seine bislang gezeigten Leistungen ein Duell mit den schwarzen Steinen gegen den 7. der Setzliste "verdient". Bis einschließlich seines 16. Zuges wandelte er auf Theorie-Pfaden der Königsindischen Verteidigung, genauer deren Orthodoxer Variation (Gligoric-Taimanow-System), dann wich sein erfahrener Gegenspieler von den letzten verbliebenen Vorgängerpartien der Datenbank ab. Suad hatte sich durch mehrere kleinere Ungenauigkeiten da jedoch bereits in eine nachteilige Position manövriert. Er suchte zwar das thematische Spiel am Königsflügel, doch Weiß beließ seinen Monarchen einfach in der Mitte, sodaß unserem jüngsten Hennefer Teilnehmer am Troisdorf Open mangels Zielperson der Angriff schlicht versandete.
Sein Gegner hingegen nutzte seinen Raumvorteil am Damenflügel, um über die c-Linie ebenfalls ziemlich plangetreu in die schwarze Stellung einzubrechen. Nachdem er dabei zudem noch die Basis der schwarzen Bauernkette auf d6 eliminiert hatte, besaß er in der Folge noch einen gedeckten Freibauern auf d5 als weiteren Trumpf. Zudem mit weißem Turm auf der 7. Reihe und aktivem weißem Läuferpaar bei gleichzeitig offenem schwarzen König und höchst passiven Figuren des Nachziehenden konfrontiert, sah unser mit lobenswerten Ambitionen in das Duell gestarteter Schachfreund Suad im 36. Zug ein, daß ihn sein spielstarker Kontrahent nach allen Regeln der Kunst souverän positionell überspielt hatte. Bei noch immer materiellem Gleichstand streckte Suad die Waffen und gab auf. Gleichwohl bekam er reichlich anerkennend-aufbauende Worte seines Gegners für die gezeigte Partie, was schließlich auch nicht so oft vorkommt.
Der Chronist hatte es als Nachziehender ebenfalls mit einem "Königsinder" zu tun bekommen, allerdings mit der Fianchetto-Variation (Uhlmann-Szabo-System). Im 11. Zug und bemüht, nicht wie so oft zu viel Zeit bereits für den Partieanfang zu verbraten, machte ich in scheinbar eher langweiliger Stellung einen "natürlichen" Zug. Der Trost, daß die Lichess Masters Database auch zwei Spieler auf dem Meisterlevel aufführt, welche in dieselbe Eröffnungsfalle getapst waren, hilft auch nachträglich nicht darüber hinweg, daß die Partie ab da im Grunde schon weitestgehend für mich gelaufen war.
Ich trachtete fortan mit Minusqualität danach, die Stellung maximal-möglich geschlossen zu halten. Den weißen Fianchettoläufer sollte eine schwarze Bauernkette von h7 bis e4 von der Teilnahme am weiteren Geschehen möglichst lange ausschließen (diesbezüglich spielte mein Gegner dankenswerterweise mit) und am Damenflügel führte ich eine Bauernstruktur herbei, die es einzig meinem Springer ermöglicht hätte, dort einzudringen und Unruhe zu stiften (was mein Kontrahent jedoch leider unbewußt durch seine Angriffsbemühungen zu unterbinden wußte). Die einzig offene d-Linie verrammelte ich mit König, Läuferpaar und Springer nach Kräften, um ein Eindringen der verdoppelten Türme meines Gegners idealerweise zu verhindern.
Seinen ersten diesbezüglichen Versuch vermochte ich noch abzuwehren, indem sich mein schwarzfeldriger Läufer beharrlich einem Abtausch verweigerte. Der zweite weiße Versuch, unter Rückgabe der Qualität einzudringen, war dann leider nicht mehr abzuwenden. Doch um die korrekte Verwertung des sich daraus ergebenden Stellungs- und Materialvorteils (ein, zwei Bauern würde ich hernach unweigerlich verlieren) kam mein Gegner herum. Meine angestrengten Verteidigungsbemühungen hatten mich letztendlich zu viel Bedenkzeit gekostet, sodaß ich zwei Züge vor Erreichen der entsprechenden Kontrolle auf Zeit verlor. Einerseits verständlich (wegen der zeitlichen Planbarkeit) und andererseits genauso bedauerlich, daß beim Troisdorf Open ohne Inkrement gespielt wird. C'est la vie.
Frank Feig
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- Geschrieben von: Martin Seidel
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...die wollten beim Troisdorf Open mitspielen. In der 3. Runde waren's nur noch drei. Naja, zum Glück nicht ganz. Peter hat sich noch nicht vollständig erholt und deswegen tatsächlich komplett zurückgezogen, ohne eine einzige Partie absolviert zu haben. Echt dumm gelaufen, weiterhin gute Genesung! Unser verbleibendes Sextett brachte in Runde 3 dann jedoch tatsächlich das Kunststück fertig, an drei von insgesamt sieben kampflos entschiedenen Partien des Spieltags beteiligt zu sein. Siebenmal "kampflos" bei insgesamt 32 angesetzten Paarungen ist schon heftig - die Erkältungszeit hat ganz offensichtlich mit Macht begonnen.
Harald hatte sich in Runde 2 anscheinend zu früh wieder "rausgewagt". Entweder hat er danach einen Rückfall durch "seine" Bakterien oder Viren erlitten oder sein noch geschwächtes Immunsystem wurde umgehend von einer Angriffswelle "neuer" Keime überrannt. Jedenfalls mußte er sein Kommen absagen. Bei Silas war es "höhere Gewalt" in Gestalt seiner Mutter, welche kurzfristig umdisponiert hatte und ihren Geburtstag doch nicht nachfeiern wollte. Da mußte der Sohnemann leider die dritte Niederlage in Serie - diesmal kampflos - quittieren. Lukas gewann demgegenüber kampflos, weil sein Gegner kurzfristig krank darnieder lag, was Lukas weniger begeisterte. Er will schließlich nur spielen.
Einer der drei verbliebenen Hennefer, die sich tatsächlich noch mit einem Kontrahenten duellieren durften, war Suad. Er hatte seinen Stift vergessen – nach Ansicht von Martin der erste Fehler und das noch vor Beginn der Partie – und dachte zudem, er hätte die schwarzen Steine, da er in der Runde zuvor Weiß gehabt hatte. Ein etwas genauerer Blick auf die Auslosung wäre da hinsichtlich der Eröffnungsvorbereitung sicher zuträglicher gewesen. Vom Doktortitel seines Gegners war Suad eigener Aussage zufolge nicht beeindruckt, wohl aber ein wenig von dessen nomineller Spielstärke. Wieder bekam Suad nicht die gewünschte Eröffnung aufs Brett und so war ihm ob der Züge seines Gegenübers zunächst doch ein wenig mulmig zumute. Er dachte, sein Gegner verfolge einen Plan, den er vermutlich mangels ausreichender Spielstärke nicht verstünde. Nach und nach reifte dann bei Suad jedoch die Erkenntnis, daß sein Kontrahent möglicherweise doch nicht so genial wäre und sich einfach etwas positionellen Quark zusammenspielte, wie er es nonchalant ausdrückte. Schon nach 17 Zügen bot Suads Gegner zu dessen Überraschung das Remis an und Suad griff nach kurzer Überlegung beherzt zu. Sein Kontrahent hatte, wie sich im Nachgang herausstellte, Suads Partien aus den vorherigen Runden analysiert und ob dessen gezeigter Spielweise ein wenig Muffensausen bekommen. Da Suad zu jenem Zeitpunkt nach Analyse der Engine bereits besser stand (die beste Fortsetzung jedoch nicht gefunden hätte, wie Suad unumwunden zugab), wollte er das Verlustrisiko minimieren. Suad wiederum befürchtete, er könne sich bei Fortsetzung der Partie genausogut noch um die Früchte seines bisherigen Spiels bringen und ein Remis gegen einen Gegner mit über 350 Punkten besserem Rating stünde ihm hinsichtlich seiner Ambitionen sicher nicht schlecht zu Gesicht. In Runde 4 wartet nun ein Gegner auf Suad, der sogar eine über 600 Punkte bessere Wertung aufweist. Der Weg zu den Sternen ist halt mit harten Prüfungen gepflastert. Bis hierhin jedenfalls kann Suad mit seiner gezeigten Leistung beim Troisdorf Open zufrieden sein (und ist es auch) und in der kommenden Runde kann er dann ganz befreit aufspielen. Zu verlieren hat er schließlich nichts. Suad kann nur gewinnen - und sei es schlimmstenfalls auch nur an Erfahrung.
Diese luxuriöse Ausgangslage hat Martin schon lange nicht mehr. Nach dem bitteren Remis in Runde 2 wollte er diesmal unbedingt einen Sieg einfahren, um den Anschluß an die Tabellenspitze nicht zu verlieren. Da er wußte, daß sein Gegner eigentlich stets mit d4 beginnt, bereitete Martin das äußerst aggressive Wolga-Benkö-Gambit vor. Sein Kontrahent tat ihm auch prompt den Gefallen und ging darauf ein, wonach Martin seine Vorbereitung vollumfänglich ausspielen konnte. Bis zum 13. Zug folgten beide der Eröffnungsdatenbank, dann wich Martin als erster ab. Obwohl auch sein Opponent immer einen der theoretisch besten Züge fand, konnte Martin sich solchermaßen doch wenigstens einen beträchtlichen Vorteil auf der Uhr verschaffen.
Im 19. Zug sollte er dann die erste von insgesamt nur zwei Chancen in der gesamten Partie bekommen, ernsthaft in Vorteil zu gelangen. Martin wollte die b-Linie nicht durch Weglenkung des dortigen Bauern öffnen, sondern durch Schlagen desselben. Anders herum wäre besser gewesen. Drei Züge später öffnete sich die Tür zum Schwarzsieg bereits zum letzten Mal in dieser Begegnung einen Spalt breit. Sollte Martin den b-Bauern zurückgewinnen, indem er mit dem Turm oder mit dem Läufer schlägt? Nimmt der Turm, befürchtete Martin in temporärer geistiger Umnachtung ein Mattproblem für seinen König oder den Verlust seines Läufers - und schlug deswegen mit dem Läufer. Dahin war nun jeglicher Vorteil. Im 30. Zug bot Martins Kontrahent Remis an, welches Martin nach zehn Minuten angestrengten Nachdenkens ausschlug. Zwar sah er die Gefahr, daß der weiße König eindringen würde können, doch hatte er kalkuliert, dass die Position für den Moment zu halten sein würde und im Endspiel sollte sein gedeckter c-Freibauer dem entfernten Freibauern seines Gegners auf a überlegen sein, was langfristig Chancen auf den Sieg geboten hätte. Die Engine wies in der Nachbetrachtung hingegen bereits Vorteil für Weiß aus, denn tatsächlich sollte Martin in der Folge zur Passivität verdammt sein. Als unser Jugendwart dessen vier Züge später gewahr wurde, hatte er wenigstens das Glück, daß die Zeit seines Gegners bereits bis auf wenige Sekunden abgelaufen war und so bot er seinerseits im 38. Zug – und damit kurz vor der Zeitkontrolle – die Punkteteilung an. Dies nahm seinem Kontrahenten die Gelegenheit, zwei Züge später mit neu "aufgefüllter" Bedenkzeit ernsthaft über die Stellung nachzudenken und eventuell noch einen Gewinnplan zu finden. Der nächste Nackenschlag für die Ambitionen unseres Aushängeschildes bei diesem Open, aber besser clever ein Remis gesichert als am Ende gar noch zu verlieren. In der 4. Runde kommt es daher - für beide Beteiligten leider, möchte man konstatieren - zum nächsten Hennefer Vereinsduell. Lukas ist schon wieder betroffen und wird dann die undankbare Aufgabe vorgesetzt bekommen, sich mit den schwarzen Steinen der Angriffsbemühungen seines Trainers erwehren zu müssen. Wird sicher mega spannend.
Damit bleibt noch, über mein eigenes Abschneiden zu berichten. Mit Weiß baute ich mich mit einem Doppelfianchetto auf, mein Gegner wählte dagegen einen altindischen Aufbau. Im Ergebnis meckerte die Engine über die weitere Eröffnung bis hinein ins Mittelspiel, daß ich den Bauernvorstoß nach e4 unterließ (um mir den Läufer auf g2 nicht zu verstellen und schwarze Aktivitäten am Damenflügel zu stören) bzw. mein Kontrahent analog auf d5 verzichtete. Er hopste stattdessen in ausgedehnten Manövern mit seinen Springern am Königsflügel herum, ohne groß etwas zu bewirken. Okay, ich mußte meine Leichtfiguren um meinen Monarchen scharen, aber dies war ohnehin beabsichtigt, um zu gegebener Zeit im Zentrum und am Königsflügel vorzurücken. Ich suchte nach entsprechender Vorbereitung endlich mit d4 den meinerseits angestrebten Raumgewinn und die Erwiderung d5 sollte nach einem inkorrekten Läufer-Teilrückzug des Schwarzen letztlich eben jenen d5-Bauern kosten. Nach 27. e4 hatte ich plötzlich ein Idealzentrum (d4 & e4), die Engine war auch endlich happy. Anstatt aber nun einfach weiter den Druck zu verstärken, meinte ich, den schwarzen Läufer auf f6 mittels des Bauernzugs nach e5 final einsperren und erobern zu können. Leider hatte ich übersehen, daß ein Zurückschlagen mit dem d-Bauern an einer gerade noch rechtzeitig erfolgten Fesselung meiner Dame scheitern würde. Ich hatte reflexhaft zu schnell gezogen und dadurch mal wieder einzügig eine Gewinn- in eine Verluststellung transferiert. In den folgenden Zügen konterten beide Seiten die Patzer des Gegners mit eigenen vergleichbarer Güte. Allerdings sollte hierbei Berücksichtigung finden, daß beide Seiten nun bereits in arger zeitlicher Bedrängnis agierten. Ich spielte bewußt optisch kraftvoll und ritt mich doch immer tiefer in die Tinte. Mein Gegner hatte bereits mit dem 19. und nochmals mit dem 30. Zug Remis geboten - und beim zweiten Mal stand er objektiv gesehen bereits besser. Bevor ich es wie Martin machte und mit meinem 33. Zug nun meinerseits die Punkteteilung anbot, hatte mein Kontrahent sein verbleibendes Zeitkontingent auf unter 4 Minuten gedrückt, ich hatte aber auch nur noch knapp 7 Minuten. Oberflächlich sah meine Stellung noch voller Chancen aus, doch das Urteil der Engine in der Analyse war vernichtend. Schwarz stand glasklar auf Gewinn - war aber augenscheinlich glücklich über meine Remisofferte und schlug ohne viel nachzudenken umgehend ein. Da dürfte sich mittlerweile jemand schwer ärgern, schätze ich.
In der Gesamtschau hatten die drei Hennefer, deren Gegner zum Kampf angetreten waren, letztlich allesamt jeden Grund, sich über ihr jeweiliges Unentschieden zu freuen. Suad, weil er nicht nachweisen mußte, daß er seinen Stellungsvorteil gegen einen nominell besseren Kontrahenten bis ins Ziel würde bringen können. Martin und ich, weil wir beide unsere jeweiligen Gegner in Zeitnot überzeugend davon hatten abbringen können, ihre jeweils vorteilhafte Position nach der Zeitkontrolle in einen vollen Punkt ummünzen zu wollen. Mal sehen, wer in Runde 4 alles am Brett erscheint und wie es unserer Truppe dann ergehen wird. Wir stehen vor Aufgaben mit ziemlich weit gestreuten Erfolgsaussichten. Von abgestuftem "alles ist möglich" (Martin, Lukas, Frank, Harald und Silas) bis "Himmel hilf" (Suad). Bekanntermaßen jedoch steht es an jedem Brett zu Beginn grundsätzlich immer "nur" unentschieden.
Frank Feig
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Frank Feig
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