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Liebe Schachfreunde,
am 10. Januar 2024 um 19:00 Uhr findet das Brezelblitzturnier statt. Gespielt wird ein vollrundiges Blitzturnier, Startgeld 3 Euro. Jeder Teilnehmer erhält eine Brezel, der Sieger des Turniers eine große. Bedenkzeit 3 Minuten für die gesamte Partie, dazu 2 Sekunden Zeitgutschrift pro Zug. Gespielt wird in unserem Spiellokal der Aula des DRK.
Wir wünschen allen ein frohes Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch ins neue Jahr.
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- Geschrieben von: Martin Seidel
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...bald ist Weihnachten", ist man geneigt zu seufzen. Das mit Weihnachten stimmt natürlich auch, aber wir haben hier zudem schon die 6. und damit vorletzte Runde des Troisdorf Opens zu besprechen. Bekanntermaßen sollte es dort zum Showdown zwischen Harald und Martin kommen. Wie ernst Martin dabei trotz des deutlichen DWZ-Unterschieds sein Gegenüber nahm, kann man daraus ermessen, daß er tief in die Trickkiste psychologischer Kriegsführung griff und Harald damit tatsächlich eine unliebsame Überraschung bereiten konnte.
Martin erklärte hierzu: "Heutzutage findet ein größer werdender Teil eines Spiels bereits vorab zuhause statt. Mit den Engines ist Vorbereitung deutlich einfacher und wichtiger geworden, was man gut finden kann oder auch nicht - aber es gehört schlicht mittlerweile zum Turnierschach dazu. Spielt man dann noch gegen jemanden, den man sehr gut kennt – insbesondere Vereinskollegen – kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Mindgames. Schach mag ein analytisches Spiel mit objektiv besten Lösungen/Zügen sein und doch sollte man den psychologischen Aspekt nicht außer Acht lassen. Übertragen auf mein Spiel gegen Harald: Wir kennen die Spielweise des jeweils anderen sehr gut und haben noch dazu ein ähnliches Eröffnungsrepertoire. Stellt sich also die Frage, ob man sich darauf einläßt und seinen üblichen Kram abspult oder extra was Unübliches aufs Brett bringt."
Martin entschied sich für letzteres und beantwortete Haralds Königsbauernzug mit d6 statt des bei ihm sonst üblichen e6, was gänzlich andere Pläne für das Spiel beider Seiten beinhaltet. Entsprechend spielten sie Pirc statt den zwischen beiden bereits etwas ausgetretenen französischen Pfaden zu folgen. Mit Haralds 8. Zug verließen sie die Masters Database und waren fortan mal mehr, mal weniger auf sich alleine gestellt. Einen Zug später traf Harald die nächste richtungsweisende Entscheidung, sich durch kurze Rochade einem offenen Schlagabtausch an beiden Flügeln zu entziehen. Bemerkenswert war, daß beide bis zu Haralds 16. Zug
noch keinen einzigen Stein getauscht hatten. Für den neutralen Beobachter hatte das Spiel bis dahin die Anmutung zweier Boxer, die einander - gelegentlich einen halbherzigen Jab schlagend - umkreisen. Auf eine Lücke in der Deckung des Kontrahenten lauernd.
Dann faßte sich Harald ein Herz und führte eine Stellungsöffnung im Zentrum herbei, gefolgt von der beiderseitigen physischen Eliminierung des kompletten Damenflügels. Sein Zeitverbrauch war von Anfang an mehr als deutlich größer als der des bekennenden Schnellspielers Martin, welcher sein Gegenüber zudem durch die Eröffnungswahl ja etwas auf Glatteis geführt hatte, was sich wohl zusätzlich negativ auf Haralds Zeitmanagement niedergeschlagen haben sollte. Demzufolge mußte Harald dafür sorgen, daß endlich Züge auf das Partieformular kommen und bis zur Zeitkontrolle möglichst viele einfache Entscheidungen anstehen würden.
Zunächst dachte sich Martin: "Mist, das wird wieder ganz schwierig, sich einen Vorteil herauszuarbeiten, wenn Harald hier alle Klötzchen vom Brett abräumt." Erst auf den zweiten Blick erkannte er eigener Schilderung zufolge das Potential für seine Stellung. Nicht nur würde sein eingesperrter Läufer zu neuem Leben erwachen, sondern er würde Harald im weiteren Verlauf auch noch durch eine Springergabel dazu zwingen können, das Läuferpaar abzugeben.
Daß Harald wenig später ausgerechnet durch Martins Lieblingszug die Partie endgültig wegstellen würde, tat dem Ehrenvorsitzenden des f4-Fanclubs natürlich tief in der Seele weh. Martin drang mit dem Turm auf der zweiten Reihe ein und schickte sich an, den weißen König niederzustrecken. Harald versuchte noch, sich durch einen taktischen Trick einigermaßen heil aus der Bredouille herauszumogeln, doch Martins Dame entzog sich durch ein filigranes Zwischenschach dem Angriff des Springer, während sein Turm weiterhin Haralds Dame im Visier behielt. In dem Bewußtsein, dass sein Opponent es mit Mehrdame schon irgendwie hinbekommen würde, dies zu gewinnen, gab Harald auf.
Lukas bekam es mit einem Gegner zu tun, der nominell gesehen sein bislang schwierigster werden sollte. Jedoch hatten wir bereits mitbekommen, daß selbigem altersbedingt offenbar das Kämpferherz ein wenig abhanden gekommen war und er sich gegen junge, aufstrebende Spieler einem "Angsthasen-Remis" nicht abgeneigt erwiesen hatte. Es kam die Jugoslawische Variante der Königsindischen Verteidigung aufs Brett und Weiß bestimmte lange optisch das Geschehen, zumal Lukas ganz frech den angebotenen Bauern auf a2 mit der Dame tatsächlich abgeholt hatte.
In der Folge spielte Weiß aktive Züge, welche einzügig schwarze Steine (bevorzugt dabei: Lukas' Dame) angriffen, Lukas brachte selbige mit dem nächsten Zug natürlich in Sicherheit und verpaßte dem weißen Angriffsstein im Anschluß postwendend einen Tritt, sodaß dieser wieder zurückweichen mußte. Dieses Muster wiederholte sich mehrmals und Lukas konnte seine Stellung dabei Schritt für Schritt verbessern, hier und da durch einen Abtausch vereinfachen und last but not least auch noch den weißen b-Bauern "für umme" einsammeln. Mit verbundenen schwarzen Frei- und Mehrbauern auf der a- und b-Linie gab Weiß auf, als Lukas selbigen auch noch den Marschbefehl erteilte. Das wollte sich sein Gegner offenbar nicht mehr antun (lassen). Mit Weiß souverän von Schwarz überspielt zu werden, obwohl dieser über 350 DWZ-Punkte schlechter eingestuft ist, war Demütigung genug. Vielleicht wird sie im Nachgang erträglicher, wenn er der tatsächlichen aktuellen Spielstärke von Lukas bei der DWZ-Auswertung des Turniers gewahr wird.
Suad bekam mit den schwarzen Steinen das Blackmar-Diemer-Gambit vorgesetzt und ging darauf ein (bedauerlicherweise auch im übertragenen Sinne). Laut Masters Database gab es nach 5. Sxf3 nur 23% Weiß-, aber 45% Schwarzsiege (bei 32% Remisen). Dafür muß man jedoch aktives Gegenspiel suchen, um die Sinnhaftigkeit des Bauernopfers des Kontrahenten zu widerlegen. Suad hingegen versuchte, Ruhe in die Partie zu bekommen, was leider voll nach hinten losging. Erst wurde sein weißfeldriger Läufer über mehrere Züge lang herumgescheucht, während sich Suads Gegner auf dessen Kosten entwickelte, nur um am Ende doch abgetauscht zu werden und dabei auch noch die schwarze Bauernstellung zu ramponieren.
Als nächstes öffnete Suads Gegenspieler Linien im Zentrum, wo sich noch immer der schwarze König aufhielt. Selbiger wurde das nächste Opfer ständiger weißer Attacken, mußte die Idee, noch zur Rochade kommen zu können, alsbald beerdigen und sich zu Fuß in Richtung Damenflügel begeben - in der (vergeblichen) Hoffnung, dort Schutz zu finden. Wenige Züge, bevor er - aufs freie Feld zurück gezwungen - final zur Strecke gebracht worden wäre, hatte Suad Mitleid mit seinem gestreßten, von der kräftezehrenden Flucht ausgelaugten Monarchen und gab auf. Schade, daß Suad dabei dermaßen "unter die Räder gekommen" ist, aber eine schönere Rechtfertigung für ein dann und wann eingestreutes, etwas halbseidenes Gambit sieht man selten.
Silas dagegen fuhr einen letztlich ungefährdeten Schwarzsieg ein. Mit Caro-Kann eröffnend, in dem er sich bekanntermaßen ziemlich zuhause fühlt, mußte Silas einfach nur "normale" aktive Züge machen. Erst gewann er auf dem Damenflügel ein Bäuerchen, später auch noch eines auf dem Königsflügel. Zwischendrin vereinfachte er, wann immer dies der Gegner zuließ, konsequent durch Figurentausch. Im Turmendspiel mit 2 zu 1 Bauern auf dem Damen- sowie 3 zu 2 Bauern auf dem Königsflügel angekommen (jeweils zugunsten von Silas), gab sein Gegenüber auf. Er hätte sich zwar noch eine Weile "kneten" lassen können, würde aber realistischerweise nie auch nur ansatzweise Licht gesehen haben, sofern Silas nicht aus purer Flüchtigkeit ein Blunder, wie es heutzutage gerne genannt wird, unterlaufen wäre. Dieses flackernde Licht der letzten Hoffnung hatte Silas bei seinem Kontrahenten durch sein konsequentes Spiel offenkundig erfolgreich vorzeitig zu ersticken vermocht.
Wie üblich geht der Chronist zum Schluß noch auf seine eigene Partie ein. Das Schweizer System bringt es nun einmal mit sich, daß man, da idealtypischerweise von Runde zu Runde die Farbe der Steine gewechselt wird, mit einer davon eher gegen leichtere und mit der anderen eher gegen im Turnierverlauf erfolgreichere Kontrahenten gelost wird. Um das Ergebnis zu spoilern - auch meine dritte Schwarzpartie ging verloren. Hätte aber nicht so kommen müssen. Mein Gegner setzte auf das Londoner System und ich erwiderte mit einem Doppelfianchetto entlang der Modernen Verteidigung. Ich vermochte zunächst, meinem jungen Gegner nach und nach die Initiative abzuringen und in der Folge Raumvorteil am Königsflügel zu realisieren.
Da er das Zentrum selbst geschlossen hatte, bemühte sich mein Kontrahent um Gegenspiel am Damenflügel. Wie bei mir leider nicht unüblich geriet ich zunehmend in Zeitprobleme. Dadurch in meinen Möglichkeiten eingeschränkt, noch längerfristige strategische Pläne zu durchdenken, verpaßte ich die beiden sich kurz hintereinander ergebenden Gelegenheiten, nach vorübergehender Abwehr des weißen Angriffs am Damenflügel durch Ausnutzung der schwachen Grundreihe meines Gegenspielers wieder das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen. Stattdessen ließ ich mich weiter in die Verteidigung drängen, probierte unter Materialopfer noch halbseidenes Gegenspiel zu kreieren und wurde währenddessen mit weniger als einer Minute auf der Uhr (gespielt wird ohne Inkrement!) zwei Züge vor Erreichen der Zeitkontrolle mattgesetzt.
Wohlan denn! Halali und auf zur letzten Runde!
Frank Feig
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... dachte sich Martin, als sich just in dem Moment, da er nur wenige Züge vor dem Matt aufgab, mit Lukas, Silas, Suad und mir fast die gesamte am Troisdorf Open teilnehmende Truppe unseres Vereins um sein Brett versammelte, um nach Beendigung der eigenen Partien zu schauen, wie sich unser "Leitwolf" denn so schlug.
Erstmalig im Turnierverlauf gegen einen nominell stärkeren Gegner gelost (so viele stehen da ja nicht zur Auswahl), hatte sich Martin natürlich auf diesen vorbereitet. Wobei seine Vorbereitung im Grunde ganz schnell wieder abgeschlossen war, sobald er erkannte, daß sein Kontrahent ihm wohl den Trompowsky-Angriff ermöglichen würde. Den kennt Martin zur Genüge, selbiger hat jedoch zugleich den Nachteil, daß er quasi immer erst am Brett erfährt, wie der jeweilige Gegner darauf zu reagieren gedenkt. Da diese Eröffnung nicht gerade Mainstream ist, wurde jeder von Martins Gegnern in aller Regel nie oder zumindest kaum in Partiensammlungen aktenkundig damit konfrontiert.
Martins Gegenspieler zeigte sich sowohl während der Partie als auch in der anschließenden Analyse überrascht von Martins scheinbar passiver Spielweise und manch einem der schachlichen Intuition zuwiderlaufendem Zug, was jedoch samt und sonders Theorie ist. Bis einschließlich zum 21. Zug war die Stellung stets mehr oder minder ausgeglichen, dann beging Martin den spielentscheidenden Fehler. Im Bestreben, den Bauernvorstoß im Zentrum zu unterbinden, ermöglichte er diesen gerade erst. Sein Fehler dämmerte ihm sofort, als sein Gegner tatsächlich d5 zog, aber es gab leider kein Entrinnen mehr.
Im Versuch, seinem Gegner die Verwertung wenigstens so schwer wie möglich zu machen, trat Martin mit seinem König im späteren Verlauf die Flucht nach vorne an, auf daß er nicht auf ähnliche Art mattgesetzt werden würde, wie er es in der Woche zuvor noch mit Lukas gemacht hatte. Leider fand sein Gegenüber auch eine andere wunderschöne Mattkombination weiter vorne am Brettrand. Eine Leistung, der Martin als fairer Sportsmann dann auch den gebührenden Respekt zollte. Auf das Spontanpublikum hätte er trotzdem vermutlich ganz gerne verzichtet.
Harald bekam es in der 5. Runde mit einem ehemaligen Mitglied meiner Mannschaft zu tun, als ich vor meiner knapp drei Jahrzehnte währenden Schachpause noch in einem Bonner Verein mit Ferdi zusammen spielte. Er wurde von Harald denn auch als emsiger und somit sehr erfahrener Turnierspieler eingeordnet, weshalb Harald trotz seiner etwas höheren DWZ durchaus mit Respekt ans Brett gegangen ist. Auch befürchtete Harald, sein Kontrahent könnte sich anhand früherer Partien beim Troisdorf Open gezielt auf ihn vorbereitet haben (was ich, hätte er mich danach gefragt, für unwahrscheinlich gehalten hätte - und ich hätte damit richtig gelegen).
Unser "Finanzminister" hatte Schwarz und konnte sich kaum sinnvoll vorbereiten, da sein Widersacher mit Weiß je nach Laune wechselnde Eröffnungen spielt. Er hat sich in seinen Jahrzehnten als LKW-Fahrer eben in jeder Lenkpause in Schachbücher vergraben. Harald entschied sich aufgrund seiner Recherchen und Überlegungen ergo dafür, Ferdi sein Caro-Kann-Debüt in einer Turnierpartie vorzusetzen. Trotz naturgemäß noch überschaubarer Kenntnisse der Eröffnungstheorie kam Harald gut aus der Eröffnung, stand ab Zug 10 besser und gewann im 14. Zug einen Bauern, sodaß sein Gegner schon relativ früh um Ausgleich kämpfen mußte.
Nach einigen Ungenauigkeiten beiderseits hatte er den Ausgleich spätestens mit dem 32. Zug erreicht, nur um dann mit 2 Fehlern im 33. und 34. Zug die Partie komplett aus der Hand zu geben. Wenn man sieht, wie lange er hart um den Ausgleich gekämpft hatte, hat sich Caissa hier schon etwas hartherzig gezeigt, wie Harald es hinterher poetisch formulierte. Sobald Ferdi in Zeitnot (oder anderweitig unter Druck) gerät, mutiert er offenbar auch nach so langer Zeit noch immer wie früher zum Hasardeur und wirft gute Partien weg. Vier Züge später hatte Harald "skrupellos" (Haralds eigene Wortwahl!) den vollen Punkt unter Dach und Fach gebracht.
Lukas hatte in Vorbereitung auf seinen Gegner festgestellt, daß dieser als Nachziehender mit der selten gewordenen Aljechin-Verteidigung startet und zusammen mit Martin ein paar Überraschungen ausbaldowert. Sie kamen auch prompt in die angestrebte Nebenvariante, waren aber auch zügig wieder aus der Vorbereitung raus, da Lukas' Gegner sich in diesen Abspielen offenbar wenig auskannte und im 5. Zug bereits die Lichess Masters Database verließ. Sich vorab mit den entstehenden Stellungsbildern auseinandergesetzt zu haben, sollte sich dennoch nicht als vergebliche Mühe für Lukas erweisen.
Nach Lukas' Einschätzung nahm sein Gegenüber ihn offenbar ob seiner Jugend und der (deutlich veralteten) niedrigen DWZ zudem nicht ganz für voll. Während Lukas stellenweise Varianten über ein Dutzend Züge weit vorausberechnete, bevor er sich für oder gegen einen Kandidatenzug entschied, antwortete sein Gegner teilweise schon nach ein, zwei Minuten. Ein verhängnisvoller Fehler, wie er zunehmend erkennen mußte. Erst vermochte er lange nicht, Lukas' imposantes Bauernzentrum zu unterminieren (was schließlich das Kernthema der Aljechin-Verteidigung darstellt), dann wurde er von Lukas dank Raumvorteil und aktiverem Figurenspiel nach und nach an die Wand gespielt und verlor in letzter Konsequenz Material und kurz darauf die Partie. Souveräner Weißsieg!
Suad bekam, ebenfalls die weißen Steine führend, die Sizilianische Verteidigung, genauer einen "Beschleunigten Drachen" vorgesetzt. Im 15. Zug machte der Schwarzspieler unerwartet eine Kombination möglich, durch welche Suad vermittels eines Zwischenschachs eine Leichtfigur für einen Bauern bekam - er nahm das Geschenk dankend an. Sein Gegner bemühte sich nun vehement um Gegenspiel und es gelang ihm, nicht zuletzt infolge Suads Schwäche auf der Grundreihe, Suads "Steine" in immer unkomfortablere Positionen zu nötigen. Am Ende geriet Suads Springer in eine Fesselung und Suad war seinen Vorteil wieder quitt bzw. lag sogar einen Bauern hinten (es war jedoch ein Doppelbauer). Suads Gegner wickelte dann nicht wirklich nachvollziehbarerweise durch Abtausch in ein reines Bauernendspiel ab, das dann plötzlich wieder für Suad gewonnen war. Das vermochte unser "Küken" beim Troisdorf Open dann letztendlich ohne gröbere technische Fehler sauber zuende zu bringen und ebenfalls einen Sieg einzufahren.
Silas hatte sich vorgenommen, in den letzten drei Runden - beginnend mit dieser - das Feld endlich von hinten aufzurollen. Der nicht wesentlich schlechter als Silas eingestufte Gegner (Setzlistenplatz 46 gegenüber 36 für Silas) hatte in der ersten Runde gegen Martin verloren, in der zweiten - deutlich überraschender - ebenfalls das Nachsehen gehabt und sodann zweimal kampflos verloren. Es gab ergo keinen Grund, daß Silas seinen Kontrahenten unterschätzen hätte sollen. Prompt unterlief Silas, als er mit Weiß im Mittelspiel das Heft des Handelns in die Hand nehmen wollte, der erste Lapsus des Spiels. Anstatt sich mittels einer mehrzügigen Kombination Materialvorteil zu sichern, begnügte sich Silas' Gegenüber jedoch glücklicherweise mit einer bloßen Figurentauschaktion.
Silas zentralere Figurenpositionierung und sein aktiveres Spiel führten im weiteren Verlauf dazu, daß sich sein Kontrahent mit einem Doppelfehler in Zug 20 und 21 positionell schwächte, sowie Silas - dies ausnutzend - materiellen Vorteil erlangen und gleichzeitig substantiell vereinfachen konnte. Letztendlich machte Silas durch eine schöne Kombination unter kräftiger Mitwirkung des solchermaßen entstandenen und sodann bis zur 7. Reihe vorgestoßenen d-Freibauern den Ambitionen seines Gegners den Garaus. Dieser wollte sich die Verwertung des ausreichenden Materialvorteils im Endspiel dann nicht mehr von Silas zeigen lassen und hißte die weiße Fahne. Silas angekündigter Endspurt hat also schon mal erfolgversprechend begonnen.
Bleibt noch, über meine eigene Partie zu berichten. Ich bekam es just mit jenem Spieler zu tun, welcher in der Runde zuvor Silas mit seinem aggressiven Königsüberfall-Schachstil erst überrumpelt und dann regelrecht überfahren hatte. Entsprechend besonnen ging ich - die weißen Steine führend - ergo zu Werke. Wir hatten bald ein Königsfianchetto mit dem ECO-Code A00 auf dem Brett, in welchem diverse seltene Aufbauten zusammengefaßt werden, die keine eigene Nummerierung abbekommen haben. Während ich mit einer Art Königsindisch-Aufbau mit Weiß lauerte, kam mein Kontrahent auch prompt wie erwartet mit seiner Streitmacht alsbald ein wenig überhastet am Königsflügel angerannt.
Beherzt opferte er seinen Springer, um die h-Linie auf meine Rochadefestung aufzureißen, und genauso kaltblütig verstopfte ich selbige postwendend mit dem eigenen Pferdchen - bereit, dieses umgehend zurückzugeben, auf daß mein Gegenüber seinen Angriff durch eigene, d.h. schwarze Bauern möglichst bald wieder ziemlich blockiere, während ich dann perspektivisch im Zentrum Gegenspiel gegen seinen unrochierten Monarchen zu inszenieren gedachte. Er war wie schon gegen Silas deutlich verspätet in Troisdorf eingetroffen und zog daraufhin, um Zeit gutzumachen, überaus fix. Insgesamt würde er für seine gesamte Partie 19 Minuten verbraucht haben, dieweil ich derer 42 investierte.
Da verwundert es wenig, daß er im 12 Zug fehlgriff und mir im Bestreben, seinen aktiven schwarzfeldrigen Läufer zu behalten, ermöglichte, meinen für seinen Springer hergegebenen Bauern zurückzugewinnen und ihn von g5 aus dauerhaft an der angestrebten heterogenen Rochade zu hindern. Ich öffnete sodann im Zentrum und blies zur Jagd auf seinen noch immer dort weilenden Monarchen. Dame und Läuferpaar erledigten die Aufgabe zügig und einen Zug vor dem unausweichlichen Matt gab mein Gegner durchfrustriert auf. Daß ich mal in einer Turnierpartie eine 23-Züge-Miniatur auf das Brett zaubere, an deren Ende nicht ICH der unterlegene Part sein würde, hat mehr als nur Seltenheitswert.
Mit einer bedauerlichen Ausnahme haben in Runde 5 folglich alle Hennefer Teilnehmer zufrieden mit einem vollen Punkt im Gepäck die Heimreise antreten können. Martin, Harald und Lukas stehen nun bei 3 Punkten aus 5 Runden, Suad und ich zählen derer 2,5 und Silas hat auch endlich seinen ersten Punkt auf der Habenseite. In Runde 6 wird es leider zum nächsten vereinsinternen Showdown kommen, denn an Brett 9 wird dann Martin mit Schwarz von Harald mit Weiß herausgefordert werden. Ich sehe schon förmlich das Elmsfeuer über den Figurenspitzen flackern.
Frank Feig
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- Geschrieben von: Martin Seidel
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Während sich unsere erste und zweite Mannschaft mit solch Ärgernissen wie dem Kampf um den Klassenerhalt befassen müssen, kann unsere dritte Mannschaft vollkommen befreit aufspielen. Unter dem Motto "Fördern und fordern" treten und traten wir immer mit dem Ziel an, insbesondere der Jugend eine Bühne zu geben, Turniererfahrung zu sammeln und sich weiterzuentwickeln. Beim Auswärtsspiel bei der dritten Mannschaft der SG Siebengebirge am Sonntag, den 03. Dezember 2023 verzichteten Fred und Hans-Peter gleich beide auf einen Einsatz. Dmitrij und Silas bekamen auch mal eine Pause. Sodass Marlin in seinem ersten Saisonspiel bis auf Brett 1 aufrückte.
Wie in der Kreisklasse üblich waren die ersten paar Bretter dann auch entsprechend früh entschieden. Suad gewann an Brett 5 nach bereits zehn Zügen durch Schachmatt. Er spielte das Schottische Gambit. In der gewählten Variante war der Einschlag auf f7 zwar überzogen, aber seine Gegnerin reagierte falsch und stolperte geradewegs in Suads Matt mit Dame und Springer auf f7 hinein. 1:0
Der Ausgleich für Siebengebirge sollte aber nicht lange auf sich warten lassen. Daniel verstieß an Brett 4 gegen eine der wichtigsten Regeln beim Übergang zwischen Eröffnung und Mittelspiel. Diejenige Seite, die besser bzw. vollständig entwickelt ist, öffnet das Spiel, nicht jene, die Entwicklungsrückstand hat. Zweiteres tat bedauerlicherweise Daniel, der das Zentrum aufriss, obwohl er bei der Mobilisierung seiner Figuren deutlich hinten dran war und auch seinen König noch nicht in Sicherheit gebracht habe. Das Spielgeschehen war in der Folge sehr einseitig. Daniel hatte dem Angriff seines Gegners nichts entgegenzusetzen und wurde im 17. Zug Schachmatt gesetzt. 1:1
Ralf bekam ebenfalls seinen ersten Einsatz diese Saison. An Brett 6 führte er als Auswärtsspieler die schwarzen Steine. Zur Entwicklungsphase ist nicht viel zu sagen. Beide Seiten entwickelten sich zügig, wenngleich nicht unbedingt aktiv und zwingend. Ab dem 20. Zug kam es gefühlt wie durch Zauberhand zur Öffnung aller Linien auf dem Brett. Ralf stand zu diesem Zeitpunkt etwas besser und konnte durch seine Figurenaktivität und einen taktischen Überseher seines Gegners zuerst einen Turm und dann die Dame für einen Turm gewinnen. Im Endspiel verblieb er also mit einer Mehrdame. Nach ein paar weiteren Damenschachs konnte er durch eine Gabel den verbliebenen Turm gewinnen. Sein Gegner gab 32. Zug auf. 2:1
Tim spielt bisher eine außergewöhnliche Saison. Zusammen mit seinen Resultaten in der U16 Mannschaft stand er vor dem Spieltag bei 4 Siegen aus 4 Spielen und wir waren gespannt wie er sich an Brett 2 schlagen würde. Nach den ersten Zügen hatte ich, um ehrlich zu sein, kein gutes Gefühl. Sein Gegner eröffnete mit dem Königsgambit und Tim reagierte mit dem sehr dubiosen Zug De7, um den e5-Bauern zu verteidigen. Auch seine anschließende Eröffnungsbehandlung bereitete mir einiges Kopfzerbrechen. Im 8. Zug rochierte Tim lang und lief prompt in eine Bauerngabel seines Gegners, die ihn eine Figur kostete. Und damit fingen Tims Probleme erst so richtig an- Bei entgegengesetzten Rochaden ergriff sein Gegner zuerst die Initiative und startete einen Bauernsturm am Damenflügel. Scheinbar kurz vor seinem Ziel angekommen, zog er seine Dame nach d5. Dieses Feld kontrollierte Tim allerdings just mit seinem Springer und gab diesen nur allzu gerne im Tausch für die Dame ab. Vollkommen aus dem Tritt gebracht, brachte sich nunmehr sein Gegner in immer größer werdende Schwierigkeiten und gab schließlich auf, nachdem er auch noch einen Turm verloren hatte und ein weiterer Figurenverlust - oder zwei - nicht mehr abzuwenden war(en). Vollkommen unerwartet 3:1
Wir brauchten nur noch insgesamt ein Remis von Alexander oder Marlin zum Mannschaftssieg. Bedauerlicherweise sah es zu diesem Zeitpunkt an keinem der Bretter gut aus. Alexander hatte mit dem Mittelgambit eröffnet. Kein schwerwiegender Fehler, aber doch zumindest eine Ungenauigkeit, wenn man was zu bemängeln sucht. Er spielte sich erstmal noch ziemlich solide durch die Eröffnung, aber suchte dann ähnlich wie Daniel zu früh die Entscheidung im Zentrum. Sein Gegner widerlegte ihm diese Idee mehr oder minder zwingend und wenig später landete Alexander in einem - aus seiner Sicht - unschönen Endspiel. Erst verschlechterte sich seine Bauernstruktur am Königsflügel dramatisch, dann überließ er seinem Gegner die einzige offene Linie auf dem Brett. Als er dann einen Bauern verlor, und sowohl die Türme als auch die Läufer tauschte, war das Bauernendspiel unmöglich zu halten. Sein Gegner brachte ihn in Zugzwang, wonach Alexander keine andere Wahl gehabt hätte als den König seines Gegners entscheidend eindringen zu lassen. Er gab stattdessen auf. 3:2
Damit waren alle Augen auf Marlin an Brett 1 gerichtet. Er spielte gegen Emma Borriss und wer wie ich schon gegen jemanden dieser schachbegeisterten Familie gespielt hat, weiß, das wird kein Zuckerschlecken. Beginnend mit dem Londoner System wirkte Marlins Aufbau zunächst sehr solide. Einige Entscheidungen erschlossen sich mir in der Analyse allerdings nicht. Ähnlich wie Daniel und Alexander entwickelte er sich nicht zu Ende bevor er die Öffnung des Zentrums anstrebte, beziehungsweise wich fast vollständig vom Plan der Eröffnung ab - was ihn auch bald in einige Schwierigkeiten brachte. Zuerst verlor er einen Bauern im Zentrum und durch seinen Entwicklungsrückstand war es auch nicht einfach Emmas Angriff abzuwehren. Zugute kam ihm zu seinem Glück, der vergleichsweise kurze Zeitmodus und der beiderseitige Zeitverbrauch. Eine kleine Kombination hätte seiner Gegnerin eine glatte Mehrfigur eingebracht. Zu unserem Glück sah sie diese nicht und begnügte sich mit Abtäuschen. Jetzt hätte wie aus dem Nichts Marlin einen gefährlichen Königsangriff starten können, übersah diesen aber ebenfalls und kam bald darauf wieder selbst in Turbulenzen. Er verlor einen zweiten Bauern und hätte in einer fairen Welt vermutlich verloren. In hochgradiger Zeitnot zog seine Gegnerin allerdings ihre Dame geradewegs in einen Springerabzug von Marlin. Schwupps war diese weg und der Sieg für Marlin perfekt. Endlich ein Seidel, der sich gegen Familie Borriss über einen vollen Punkte freuen kann!
Martin Seidel
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